Mirco-Blog mit Wissenswertem aus dem Bibelstudium
Im Englischen ( z. B. in manchen Liedern ) lesen wir manchmal : »bless the Lord !«. Ist das ein Aufruf, Gott zu segnen ? Woher kommt dieser Gedanke, und was bedeutet er ? In Psalm 16 steht etwas Ähnliches : »Ich lobe den HERRN, der mich beraten hat« ( Ps 16,7 ) – so übersetzt Luther. Im Hebräischen steht dort jedoch nicht »loben«, sondern bāraḵ – dasselbe Wort wie »segnen«. Wörtlich heißt es also : »Ich segne den HERRN.« Das klingt ungewohnt, ja sogar schräg, denn normalerweise segnet der Größere den Kleineren – nicht umgekehrt. Doch hier liegt die Lösung : Dasselbe hebräische Wort kann auch »niederknien« bedeuten. Wenn du Gott »segnest«, ist das also nicht dasselbe wie wenn Gott uns segnet. Vielmehr gibst du ihm dankendes Lob und erkennst damit an, dass jeder Segen allein von ihm kommt.
Wenn du im Neuen Testament das Wort »Sohnschaft« liest, steht dort im griechischen Original ein Begriff, der Adoption bedeutet ( s. Röm 8,15 ; Gal 4,5 ; Eph 1,5 ). »Adoptiert« – klingt das nicht nach Kind zweiter Klasse ? Im römischen Recht war es genau umgekehrt : Der Adoptierte wurde rechtskräftig zum Haupterben gemacht, gelöst aus der alten Familie – und konnte das Erbe sogar ohne Prozess antreten, während andere Erben ihren Anspruch erst vor Gericht beweisen mussten. Genau dieses Wort ( hyiothesía ) benutzt Paulus für Menschen, die an Jesus glauben. Wer zu Christus gehört, ist kein geduldeter Gast, sondern echter »Miterbe Christi« ( Röm 8,17 ).
Herodes Antipas ließ in seiner Hauptstadt Tiberias Bronzemünzen mit einem Schilfrohr prägen. In eben dieser Gegend – Galiläa – fragt Jesus über Johannes den Täufer : »Was wolltet ihr sehen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid ? Ein Schilfrohr, das vom Wind bewegt wird ?« ( Mt 11,7 ). Wahrscheinlich ein gezielter Seitenhieb : Das schwankende Rohr ist nicht der Täufer, sondern der Fürst, der es auf seine Münzen setzen ließ – der im Palast »weiche Kleider« trägt ( V. 8 ), während Johannes unbeugsam in der Wüste zu Gottes Botschaft stand.
»Schüttelt den Staub von euren Füßen, ihnen zum Zeugnis« ( Mk 6,11 ). Klingt nach Resignation – ist aber ein Skandal. Fromme Juden schüttelten den Staub heidnischen Bodens von den Sandalen, bevor sie wieder ins Heilige Land traten : »Das hier gehört nicht dazu.« Und nun lässt Jesus seine Jünger genau diese Geste an jüdischen Dörfern vollziehen. Wer die Botschaft abweist, stellt sich selbst nach draußen – kein Wutausbruch, sondern ein prophetisches Zeichen mit erschütterndem Ernst.
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